Superfood aus dem heimischen Wald | IFB Hamburg
Coronavirus - Für Anfragen zum Rückmeldeverfahren der Hamburger Corona Soforthilfe wenden Sie sich bitte an hcs.rueckmeldeverfahren@ifbhh.de oder an die Hotline unter 0800 845 - 6000.
Corona Recovery Fonds (CRF)Brücken in AusbildungHamburg-DigitalHamburg-Kredit MikroCoronavirus - Hilfen für UnternehmenHCS-RückmeldeverfahrenInnoFinTech

Superfood aus dem heimischen Wald

Das Hamburger Startup Forest Garden Labs GmbH veredelt Bucheckern unter dem Markennamen „Buchengold“ zu nachhaltigen Lebensmitteln und erschließt damit den Lebensraum Wald als Nahrungsquelle. Die IFB Hamburg fördert das Unternehmen über ihre Tochter, die IFB Innovationsstarter GmbH, mit dem Programm InnoRampUp.

Sie sind äußerst nahrhaft, haben ein nussiges Aroma und sind massenhaft in der Natur vorhanden: Bucheckern, die Früchte der Rotbuche. Dennoch werden sie als Nahrungsmittel so gut wie nicht genutzt. In Supermarktregalen tauchen sie zwischen Mandeln und Pinienkernen nicht auf. „Das Problem war bisher, dass es keine effiziente Ernte- und Schältechnologie für Bucheckern gab“, sagt Sven Brummerloh, Mitbegründer des Hamburger Startups Forest Garden Labs GmbH, das Bucheckern für die Ernährung des Menschen nutzbar machen will. „Wir wollen ein Umdenken in der Ernährung erreichen und die Ressourcen des heimischen Waldes nutzen, damit weniger Lebensmittel importiert werden müssen. Das hat einen sofortigen positiven Klimaeffekt.“

Die Geschäftsführer von Forest Garden Labs Sven Brummerloh (l.) und Johannes Frankenfeld.

Ernte und Nutzbarmachung mit innovativen Verfahren

Die Ernte von Bucheckern ist kompliziert, da sie im Wald und nicht auf Plantagen wachsen. Außerdem bilden die Bäume - abhängig von der Wetterlage - jedes Jahr unterschiedlich viele Früchte aus. Deshalb haben Sven Brummerloh und seine zwei Mitgründer ein komplexes Vorhersagemodell entwickelt, das mit Hilfe von Satellitenaufnahmen und Wetterdaten zeigt, wann und wo besonders viele Nüsse vom Baum fallen. Unter den vielversprechenden Rotbuchen werden dann mehrere Wochen lang Netze auf dem Waldboden ausgelegt, in denen sich die Früchte sammeln. „Das ist effizient und gleichzeitig umweltschonend, weil wir nur dort ernten, wo auch noch genug Bucheckern für Eichhörnchen und Wildschweine übrigbleiben“, erklärt Sven Brummerloh. „Auf diese Weise gelingt es uns, ein Lebensmittel aus nachhaltiger Wildsammlung in großem Umfang zu gewinnen, ohne der Natur zu schaden.“

Auch um die Bucheckern zu schälen, haben die Gründer von Forest Garden Labs eine eigene Technologie entwickelt, da es für die 1,5 Zentimeter großen Nüsse mit ihrer einzigartigen dreieckigen Form bislang keine industrielle Schälmaschine gab. Roh und in größeren Mengen sind Bucheckern schwer verträglich, da sie den Wirkstoff Fagin enthalten, der in höherer Konzentration Unwohlsein und Übelkeit verursachen kann. Deshalb werden sie bei der Verarbeitung gedämpft oder geröstet, wodurch sich das Fagin zersetzt. Außerdem arbeiten Sven Brummerloh und seine Kollegen an einem Extraktionsverfahren zur Reduktion des Fagin-Gehalts. Dadurch sollen rohe Bucheckern auch in größeren Mengen bekömmlich und somit vielseitiger einsetzbar werden. 

Äußerst nahrhaft und massenhaft in der Natur vorhanden: Bucheckern, die Früchte der Rotbuche.

Realisierung mit Förderung der IFB Hamburg

Die IFB Hamburg unterstützt Forest Garden Labs über die Tochtergesellschaft IFB Innovationsstarter GmbH mit einem Zuschuss über 150.000 Euro aus dem Programm InnoRampUp. Das Programm richtet sich an Existenzgründerinnen und -gründer aus allen Branchen mit besonders innovativen und technologiebasierten Geschäftsmodellen. Ziel ist es, die Hamburger Startup-Szene zu stärken und zum Aufbau aussichtsreicher Unternehmen beizutragen. „Am Startup Forest Garden Labs haben uns neben dem einzigartigen, technologisch hoch innovativen sowie nachhaltigen Impact-Geschäftsmodell vor allem die drei Gründerpersonen beeindruckt“, sagt Kristoph Siemens, Programm-Manager InnoRampUp. „Sie alle bringen bereits erfolgreiche Gründungserfahrung in das Startup mit ein, haben in der Vergangenheit große Netzwerke aufgebaut und ergänzen sich mit ihren Fähigkeiten als Team optimal“. Mit dem Zuschuss finanzieren die Gründer von Forest Garden Labs vor allem die Entwicklung des Vorhersagemodells für die Bucheckern-Ernte.

Heimisches Superfood mit viel Potential

Sven Brummerloh und seine Kollegen nennen die Buchecker „lokales Superfood“, denn die Nuss ist reich an einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren und enthält sowohl Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe als auch Spurenelemente wie Zink und Eisen. Insofern stellt sie eine gesunde, nachhaltige und regional gewonnene Alternative zu Pinienkernen, Mandeln und Macadamianüssen dar. Aktuell ist Forst Garden Labs mit rund 70 Lebensmittelherstellern in verschiedenen Produktkategorien im Gespräch. Die Nüsse sind bereits geschält, geröstet und wärmebehandelt erhältlich, ebenso ein Bucheckernöl und ein hochkonzentriertes Bucheckernprotein. Demnächst sollen eine Schokolade, ein Schnaps, ein Porridge und ein Müsli mit Bucheckern auf den Markt kommen. Auch Fleisch- und Käseersatzprodukte auf Basis von Bucheckern sind geplant. 

„Jedes Kilo Bucheckern, das verzehrt wird, sorgt dafür, dass ein Kilo Mandeln weniger produziert und importiert wird, was die Umwelt direkt entlastet“, sagt Sven Brummerloh, der bereits ein anderes erfolgreiches Lebensmittelunternehmen aufgebaut hat. Neben Bucheckern könnte Forest Garden Labs in Zukunft auch Eicheln und Esskastanien als Lebensmittel nutzbar machen. „Wir wollen die Nahrungsmittelproduktion grüner machen“, so Brummerloh. „Deshalb stellen wir der industriellen Landwirtschaft die natürliche Permakultur Wald entgegen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Bild Credits:

  • Forest Garden Labs GmbH
  • Forest Garden Labs GmbH
  • Forest Garden Labs GmbH
  • Carolin Schröder
  • traceless materials
  • Wildplastic
  • Future Stories
  • IFB Hamburg
  • Landgang Brauerei GmbH & Co. KG